22. April 2018

Neue Fugen und alte Bilder

Filed under: PressespiegelJens Wilde @ 16:33

Ein herrlicher Tag im Wald zwischen den Bundesstraßen 77 und 206. Und ein schöner Anlass: „Wir gehen davon aus, dass wir im Mai loslegen“, sagt Lars Bessel. Was der Vorsitzende des Vereins Bismarcksäule meint: Die Sanierung der Fugen des Baudenkmals, die lange auf der Kippe stand, kann starten. Dass der erste Schritt in diesem Jahr von einer Sonderausstellung im Kreismuseum Prinzeßhof begleitet wird, ist Zufall, aber passend. Allerdings sucht Leiterin Miriam Hoffmann noch Material für die Schau.

Ein Bauexperte muss man nicht sein, um mit dem Blick nach oben zu erkennen: Es wird Zeit, sich die Fugen der Säule vorzunehmen. Viele fehlen bereits, vermutlich sei in den 1950er Jahren eine Sanierung mit dem falschen Beton erfolgt, sagt Bessel: „Zu hart, zu viel Kalk.“ Daher auch die großen weißen Flecken auf den Granitquadern. Verkehrssicherheit ist das Ziel, nichts soll herabfallen. Doch der ursprüngliche Plan, alle Fugen auszutauschen, habe sich als zu teuer erwiesen. So werden jetzt die losen Abschnitte entfernt und mit Muschelkalk gefüllt. Die Fenster werden mit Plexiglas verschlossen.

Auf der Südwest-Seite der Säule geht es los – „so weit man sehen kann, ist das die schlimmste“, sagt Bessel. „Dann machen wir jedes Jahr eine weitere Seite, sodass wir 2021 beim Haupteingang ankommen.“ Die Arbeit wird in Abschnitten erledigt, weil sie nur so finanziert werden kann. Mehr als 60 000 Euro sind veranschlagt, die Finanzierung steht dank Stadt, Kreis, Land, Denkmalfonds des Landes und Vereinsmitteln sowie Spenden. Nach wie vor können Spender symbolisch Steine für 25 Euro kaufen. „Ich hoffe, dass das wieder vermehrt anläuft, wenn sichtbar etwas passiert“, sagt Bessel. 100 seien verkauft, aber 2650 Steine im Angebot. Das ergibt theoretisch mehr Spenden als für die Fugensanierung nötig. Doch auch innen müsse etwas passieren, und Pläne für einen Waldpavillon oder Ausschilderung lägen auch in der Schublade, sagt der Vereinsvorsitzende.

Auf Beiträge anderer Art aus Schubladen und Schränken hofft Miriam Hoffmann. Vom 1. Juli bis 14. Oktober plant sie im Kreismuseum eine Sonderausstellung zu dem 1905 eingeweihten Bauwerk. Im Studium habe sie sich mit der Denkmalkultur des 19. Jahrhunderts befasst, durch einen Artikel in dieser Zeitung kam sie auf die Itzehoer Säule, den Verein und dessen „begeisternde“ Arbeit. Ein Thema wird die Einordnung des Bauwerks in den historischen Zusammenhang: „Die Ausstellung wird nicht nur auf dieses Baudenkmal fokussiert sein, sondern auch die Zeitgeschichte in den Blick nehmen.“

Eine große Rolle spielt auch die lokale Entwicklung. Das Problem: Bisher war die Ausbeute bei der Materialsuche „absolut gering“, deshalb hofft die Museumsleiterin auf Hilfe aus der Bevölkerung. In den 1950er Jahren sei die Säule mit ihrem Kiosk immerhin ein beliebter Ausflugspunkt gewesen: „Da wird auch das eine oder andere Foto entstanden sein.“ Geschichten sind ebenso willkommen wie Grafiken, Gemälde oder Zierporzellan – das Gebäude sei „absolut prominent“ gewesen. „Die Ausstellung soll einfach noch einmal die Bedeutung unterstreichen“, so Hoffmann.

Und sie bietet neben dem Tag des offenen Denkmals die einzigen Gelegenheiten in diesem Jahr, die Säule zu besteigen. Erst ins Museum, dann eine Exkursion in den Wald – drei Mal ist das während der Schau geplant.

Aus SHZ / 20.04.2018 / Autor: Lars Peter Ehrich

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