Infoblatt zur Säule

Das Infoblatt wurde zusammengestellt von Alexandra Völter (Stand 28.06.2005).

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1. Gebäude

1.1. Die Konstruktion
Der als Aussichtsturm mit Feuerschale konzipierte Bismarckturm Itzehoe wurde auf einem bronzezeitlichen Hügelgrab – in dem nach alten Berichten ein Bronzedolch gefunden wurde – gebaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 01. April 1901, während die feierliche Einweihung am 18. Oktober 1905 stattfand. Der 18 m hohe Turm aus grob behauenen Granitblöcken wurde über einem quadratischen Grundriß auf einem gestuften Sockel errichtet. Der Sockel trägt einen Aufbau, dessen Kanten von vier kräftigen Säulenschäften gefaßt werden. Darüber befindet sich ein zusammenhaltendes kapitelartiges Gesims und ein vierkantiger Überbau zur Aufnahme der Feuerschale. Außen führt eine axiale Granitfreitreppe vom Hügelfuß zum jetzt zugesetzten Eingang. Über dem Eingang ist die Inschrift: BISMARCK angebracht. Die im Inneren des Turmes zur Aussichtsplattform führende Treppe war wegen des verschlossenen Eingangs bis zum 15. April 2005 nicht mehr zugänglich.

1.2. Das Material
Die Itzehoer Bismarcksäule besteht aus grob behauenen schwarzen und grauen Granitblöcken, die aus einem Steinbruch in Schweden stammen und von der Firma Kolbe, Itzehoe, geliefert wurden. Die innere Pfeilerkonstruktion aus mit Eisenträgern verstärkten Ziegelmauerwerk verleiht dem Turm die nötige Stabilität. Die Baukosten beliefen sich auf ca. 35 TM.

1.3. Zur geographischen Lage
Die Bismarcksäule steht im Lübschen Gehölz (Stadtforst Itzehoe) auf einem wahrscheinlich älterbronzezeitlichem Grabhügel, welcher auf der Kuppe einer eiszeitlichen Endmoräne aus dem Warthe-Stadium der Saale-Eiszeit (280 000-150 000 Jahren) errichtet wurde. Die Erhebung entstand damit im geologischen Sinn gleichzeitig mit dem Kaiserberg (71 m).

1.4. Säule oder Turm?
Während bis 1898 der Begriff "Bismarckturm" als Architekturform eindeutig charakterisiert und definiert war, trat nach Bismarcks Tod und mit dem Aufruf der Studentenschaft zur Errichtung von "Feuersäulen" eine Bezeichnung für eine Turmart auf, die oft zu Recht beanstandet worden ist und auch heute noch zu Irritationen führt.

Im Allgemeinen wird in der Architektur eine senkrechte, zylindrische Stütze einer Decke oder eines Daches als Säule bezeichnet. Es erscheint daher ungewöhnlich, wenn die vielen mächtigen Turmbauten, die zum Andenken Bismarcks errichtet wurden, "Bismarck-Säulen" genannt werden. Doch bereits im Alten Testament finden sich im übertragenen Sinn die Ausdrücke "Feuersäule" und "Wolkensäule", und bei Pindar und Herodot werden die Vorgebirge der Meerenge von Gibraltar "Herkulessäulen" (Herculis columnae) genannt. Elf Kilometer südwestlich von Trier steht ein 23 m hoher, im unteren Teil 5 m breiter, viereckiger Sandsteinbau, der vermutlich 200 n.Chr. errichtet wurde und noch heute Igeler Säule heißt.

Die Ausführungen zeigen, daß das Wort "Säule" nicht ausschließlich für eine im Grundriß runde Stütze gebraucht wird. Besonders hervorzuheben und wichtig für die Benennung ist die Tatsache, daß im Jahr 1898 auf Anregung der Bonner Studentenschaft die gesamte deutsche Studentenschaft beschloß, "Bismarck-Säulen" mit "ehernen Feuerbehältern" zu errichten.

Der folgende Anruf der Deutschen Studentenschaft an das deutsche Volk erging am 03.
Dezember 1898:

"Wie vor Zeiten die alten Sachsen und Normannen über den Leibern ihrer gefallenen Recken schmucklose Felsensäulen auftürmten, deren Spitzen Feuerfanale trugen, so wollen wir unserem Bismarck zu Ehren auf allen Höhen unserer Heimat, von wo der Blick über die herrlichen deutschen Lande schweift, gewaltige granitene Feuerträger errichten. Überall soll, ein Sinnbild der Einheit Deutschlands, das gleiche Zeichen erstehen, in ragender Größe, aber einfach und prunklos, auf massivem Unterbau eine schlichte Säule, nur mit dem Wappen und
Wahlspruch des eisernen Kanzlers geschmückt. Keinen Namen soll der gewaltige Stein tragen, aber jedes Kind wird ihn Fremden deuten können: Eine Bismarcksäule!"

2. Zugrundeliegende Idee

2.1. Initiatoren und Träger der Bewegung
Die Idee, Türme zu Ehren Bismarcks zu errichten, entwickelte sich zunehmend ab 1890. Den Anlaß gab Bismarcks 75. Geburtstag. In diesem Jahr trat in München ein Komitee unter Vorsitz des Malers Franz von Lenbach, der Bismarck häufig porträtiert hatte, und des Bürgermeisters von Widenmaier zusammen und sprach sich für ein Bismarckdenkmal aus, das nicht in der Stadt, sondern weit außerhalb auf einer Anhöhe am Starnberger See seinen Platz finden sollte. Das Komitee entschied sich für den Entwurf des Münchener Architekten Theodor Fischer. Danach wurde in den Jahren 1896 bis 1898 ein Bismarckturm mit "Quellenheiligtum" auf der Rottmannshöhe bei Assenhausen (Abb. 1) als Ehrenturm und damit erstmalig nicht als Aussichtsturm errichtet und am 01. Juli 1899 eingeweiht. Fischer orientierte sich am Motiv der Igeler Säule und bereicherte es durch vorgelagerte Hallen- und Treppenanlagen. Den plastische Schmuck fertigten die Bildhauer Joseph Floßmann und Georg Wrba.

1898 beschloß die deutsche Studentenschaft auf Anregung der Bonner Studentenschaft zu ehren Bismarcks und als Symbol der von ihm geschaffenen Einheit Deutschlands steinerne Türme, besagte Bismarcktürme, zu errichten. Die deutsche Studentenschaft unter der Führung eines Bismarck-Ausschusses, der alle Universitäten und Hochschulen Deutschlands vertrat und der sich aus je drei Vertreter der Universitäten Berlin, Bonn und Heidelberg sowie der Technischen Hochschule Stuttgart zusammensetzte, verschickte unter der Federführung der Bonner Studentenschaft Rundschreiben, welche nicht nur in akademischen Kreisen Widerhall fanden.

In Folge dieses Aufrufes begann in Rudolstadt in Thüringen wenig später die Errichtung eines Turms mit Feuerschale, der bereits am 01. April 1899 eingeweiht und als " 1. Bismarck-Feuerschale Deutschlands" bezeichnet wurde. Einschränkend hinsichtlich der Bezeichnung ist zu sagen, daß das erste Feuer auf diesem Bauwerk erst ein Jahr später entzündet werden konnte, da der Beton am Tag der Einweihung noch nicht ausgehärtet war. Auch entspricht die bauliche Ausführung in Form einer Burg nicht unbedingt den von der Studentenschaft geforderten Bedingungen für eine Feuersäule. Als "echte" Feuersäulen sind hingegen die Bismarcksäulen in Lappersdorf bei Regensburg (Einweihung 18. Juni 1899) und in Keilhau in Thüringen (Einweihung 30. Juli 1899) zu bezeichnen.

Die Ausschreibung eines Wettbewerbes für alle deutschen Architekten folgte dem Aufruf am 01. April 1899, dessen Gewinner Wilhelm Kreis mit seinem Entwurf "Götterdämmerung" war (s. 3.2. Entwurf). Im August 1899 konnte der Ausschuß der Studentenschaft ein Verzeichnis von über 200 Städten und Gemeinden vorweisen, welche die Errichtung einer Bismarcksäule planten oder fest beschlossen hatten. Nicht in jeden Fall wählten die Erbauer den Entwurf des Architekten Kreis und nicht immer konnte die Planung so ausgeführt werden, wie gedacht, da nicht selten finanzielle Engpässe auftraten. Manchmal schlossen sich auch benachbarte Kreise zusammen, um ein größeres Bauwerk errichten zu können. Gelegentlich wurde der Plan auch ganz aufgegeben und statt dessen lediglich ein Bismarck-Standbild oder eine Bismarck-Büste aufgestellt, vielfach sogar nur ein Findling als Bismarck-Stein enthüllt oder ein Baum gepflanzt und nach Bismarck benannt.

Angeregt wurde der Bau des Bismarckturmes in Itzehoe vom Verein Bismarcksäule e.V. Der alleinige Zweck des 1899 gegründeten Vereins, dessen Vorstand Landrat Junge innehatte, bestand in der Errichtung des Bismarckturmes. Nach Beschluß der städtischen Kollegien vom 15. Juli 1903 erhielt der Verein das Bebauungsrecht auf einer Fläche im Lübschen Gehölz. Bereits 1905 waren allerdings die finanziellen Mittel des Vereins erschöpft, so daß der Kreistag auf einer Sitzung am 28. März 1905 beschloß, das Erbauungsrecht vom Verein zu kaufen und den Bau zu Ende zu führen.

2.2. Warum jetzt (1901-1905) in dieser Form?

Vor allem in der Bewegung des seit der Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts einsetzenden Bismarck-Kults werden bürgerliche Widerstände gegen die ausufernde kaiserliche Symbolpolitik deutlich. Dieser wandte sich dezidiert gegen die vom Kaiser propagierte Stilisierung Kaiser Wilhelms I. zum "Heldenkaiser" und alleinigen Repräsentanten der nationalen Einigung im Krieg 1870/71. Aus Verehrung des Reichsgründers Otto von Bismarck (1815-1898) wurden im damaligen Deutschen Reich zwischen 1869 und 1934 insgesamt 234 Bismarcktürme und Bismarcksäulen errichtet oder ältere Türme zu solchen umbenannt. Mindestens 175 weitere Turmbauten waren geplant, kamen aber nicht zur Ausführung.

Bismarck war ein Mythos zu Lebzeiten und wurde nach seinem Tod zur nationalen Ideal- und Kultfigur als "Hüter des Reiches" In der deutschen Geschichte wird damit zum erstenmal einem Reichskanzlern, also einem Politiker, in diesem mengen- und größenmäßigen Umfang eine Ehrung durch die Errichtung von Denkmälern, Türmen, von Standbildern und durch das Aufstellen von Büsten zuteil, die zuvor kaum eine deutsche Herrschergestalt und kein deutscher Staatsmann für sich verzeichnen konnte.

Die Bismarck-Ehrung erstreckte sich nicht nur auf die Schaffung von Nationaldenkmälern, lokalen Bismarck-Denkmälern (Standbildern, Büsten und einigen Reiterfiguren), Bismarck-Säulen, Bismarck-Türmen, Bismarck-Brunnen und Bismarck-Steinen; auch Straßen, Plätze, Parkanlagen,, Ortschaften (z.B. Bismarckhütte in Oberschlesien) sowie ganze Landstriche und Inselgruppen in den deutschen Kolonien wurden nach dem Reichsgründer benannt. Des weiteren kam es zur Benennung von Bergen in Bismarck-Höhe, Bismarck-Koppe und Bismarck-Kopf, zu Bismarck-Felsen und Bismarck-Klippen teilweise mit Bismarck-Medaillons, Bismarck-Eichen, -Linden, -Ulmen und -Tannen. In Rübeland im Harz gibt es den 188 m langen Bismarck-Tunnel und in Thüringen den Kanzlersgrund. Im Bergbau benannte man in der Eifel und im Oberharz Gruben nach Bismarck. In Gartenbauzeitungen wurde der Anbau von Bismarck-Sonnenblumen, Bismarck-Äpfeln und Fürst- Bismarck-Gurken empfohlen. Die "Denkmäler" der Speisekarte gehören hier auch dazu, wie der Bismarck-Hering oder die Biskuitrolle Bismarckeiche. Stammtische hießen nach dem Kanzler Bismarcktische, etwa der Bismarcktisch in der Gaststätte zum Blauen Hecht in Leipzig. Weitere Ehrungen findet man außerdem bei Fassadengestaltungen an verschiedenen Häusern, wie das Bronzestandbild als Eiserner Kanzler vom Bildhauer Bruno Kruse 1898 am Kontorhaus Laeiszhof in Hamburg oder das Sandstein-Brustbildrelief als Eiserner Kanzler mit Pickelhaube und der Unterschrift: 1.4.1895 am Dachgiebelabschluß des Wohnhauses Körnerplatz/Friedrich-Wieck-Straße in Dresden-Loschwitz.

Von den mehr als 700 beabsichtigten Bismarck-Denkmälern jeglicher Art – Standbildern (einschließlich der wenigen Reiterstandbilder), Büsten, Brunnen, Gedenksteinen und Reliefs, die bis 1914 in Deutschland in Planung und unmittelbar mit den bedeutendsten Architekten und Bildhauern verknüpft werden können und in vielen Fällen die größten Denkmäler des jeweiligen Aufstellungsortes sind – wurden über 550 realisiert. Außerdem wurde eine große Anzahl von Bismarck-Statuetten, -Medaillen, und -Plaketten geschaffen.

Im neuen Schloß in Schönhausen bei Stendal, dem Herrenhaus II, das Bismarck zum 70.Geburtstag vom deutschen Kaiser Wilhelm I. als Geschenk erhalten hatte, eröffnete am 29. September 1891 das Bismarck-Museum, welches allerdings 1948 aufgelöst wurde. Heute besteht noch das 1927 in Friedrichsruh gegründete Bismarck-Museum im Sachsenwald bei Hamburg.

Zu seinem 80. Geburtstag am 1. April 1895 verliehen 378 Ortschaften Otto von Bismarck die Ehrenbürgerschaft. Über 300 Vereine gründeten sich, getragen von der Verehrung des Reichskanzlers. Die Errichtung von Bismarck-Türmen wurde angeregt, vielfach aber erst nach Bismarcks Tod mit Nachdruck ausgeführt. Besonders nach 1899 realisierten viele Städte und Gemeinden einen Bismarck-Turm, eine Bismarck-Warte oder eine Bismarck-Säule. So daß bis 1914 die beachtliche Zahl von über 400 Bismarck- Turmbauten geplant war.

2.3. Symbolgehalt
Die architektonische Formensprache der ersten in Stein gebauten Bismarck-Türme ist der der mittelalterlichen Wehr- und Burgtürme angenähert. Diese Formen sind auch noch von Aussichtstürmen bekannt, die nach Bismarcks Tod errichtet wurden. Die Architekten versuchten damit, eine architektonische Anknüpfung an das Alte Deutsche Reich, das Bismarck neu errichtet hatte, zu erzielen.

Bemerkenswert ist auch, daß frühe Bismarck- Türme häufig auf Standorten oder Fundamenten alter Burgen, als Anbau an Ruinen oder als Ausbauten alter Burgruinen bzw. alter Türme geplant und ausgeführt wurden. Der schlanke Turm in Bad Freienwalde steht z.B. auf den Fundamenten einer mittelalterlichen, bereits im 14. Jahrhundert zerstörten Burg und erweckt den Eindruck einer unregelmäßig gebauten, stetig veränderten mittelalterlichen Architektur. Der Turm von Sondershausen (1895) steht auf dem Berg der ehemaligen Spatenburg und der Turm in Wetzlar (1901) verwendet Teile eines alten Wartturmes. Der Naumburger Turm ist in die Burgruine auf dem Burgscheidel eingefügt, der Turm in Vlotho wurde auf die Ruinen der Burg auf dem Amtshausberg gesetzt.

Die Grundformen des frühen Bismarckturms sind, mit Ausnahme des Turmes bei Göttingen, die des Rund- und Vierkantturmes, gelegentlich mit verschiedenartigen Anbauten. Unter den Rundtürmen gibt es einen gedrungenen Typ, der den Charakter eines dickwandigen Bergfriedes, teilweise versehen mit unterschiedlichem Beiwerk, aufweist. So hat der Bismarckturm in Höxter a.d. Weser (1900) ein hohes seitlich angesetztes Türmchen, die Türme in Wetzlar (1901) und Mengeringhausen (1902) besitzen eine emporführende Außentreppe.

Um 1900 ist bei den Rund- und Vierkanttürmen eine Tendenz zur Stilisierung der
ursprünglich pseudo-mittelalterlichen Turmformen festzustellen, wie etwa bei den
Bismarcktürmen in Osterode/Ostpreußen (1902) und Spremberg (1903) mit ihren stilisierten Anbauten. Den Charakter eines Leucht- oder Wachtturmes zeigen die Bismarcktürme von Dresden-Plauen (1896) und Lehesten in Thüringen (1902), bei denen der untere Turmbereich besonders durch einen eckigen Sockel bzw. Vorbau betont wird.

2.4. Feuerungsanlagen der Bismarcktürme und -Säulen
Die Idee der Deutschen Studentenschaft war es, das Abbrennen der Feuer auf den
Bismarckfeuersäulen einheitlich zu regeln. Das Leuchten der Flammen sollte von Säule zu Säule, über ganz Deutschland verteilt, als Zeichen zu Ehren Bismarcks zu sehen sein. In der Realität erfolgte das Entzünden der Feuer keinesfalls so einheitlich wie gewünscht. Die Bürgerschaft wählte den Geburtstag Bismarcks, den 01. April, seltener auch seinen Todestag am 30. Juli als Feuerungsanlaß. Bismarck- oder Kriegervereine entzündeten Feuer häufig am Sedantag, dem 02. September, während die Studentenschaft sich auf den Sonnenwendtag am 21. Juni geeinigt hatte.

Das bestimmende Merkmal einer Feuersäule ist ihre Feuerschale (Feuerpfanne, Feuerbecken, Feuerkorb), die in ihrem Material, ihrer Gestalt und Abmessung verschieden sein konnte. Eiserne Feuerbecken aus Schmiede- oder Gußeisen (auch mit Schamotteausfüllung) oder starkem Eisenblech bewährten sich insgesamt recht gut, genauso wie aus Kupfer gefertigte. Daneben wurde auch eine Zahl von Feuersäulen mit massiven Feuerbecken aus Mauerwerk, Sandstein, Zement oder Beton versehen, die aber in Folge der Feuerung z.T. Risse bekamen. In der Mehrzahl standen die Feuerschalen frei auf Füßen, wodurch ein guter Luftdurchzug gewährleistet wurde. Neben diesen fest installierten Pfannen wiesen einige Türme auch abnehmbare Feuerungsanlagen auf.

In ihrer Form und Gestalt unterschieden sich die Feuerschalen sehr. Sie konnten rund, quadratisch, rechteckig oder achteckig sein und besaßen gewöhnlich einen Durchmesser von 0,7 m bis 3 m. Dabei konnte es sich nur um eine Schale handeln oder um mehrere kleinere, nebeneinander oder übereinander gesetzte Schalen oder Kästchen handeln.

Als Brennmaterial wurden verschiedene Stoffe erprobt. In den meisten Fällen verwendete man eine Holzfeuerung mit Zusätzen von Petroleum, Teer oder Pech und anderen gut entzündlichen Brennstoffen. Die Flammenhöhe belief sich durchschnittlich auf 3 bis 5 m und die Brenndauer auf etwa zwei Stunden, abhängig von der Größe der Schale und der Menge des verwendeten Brennmaterials. Eine weitere Befeuerungsart, die preisgünstiger war und trotzdem eine gute Flammenhöhe und Brenndauer ergab, war pyramidenförmig
aufgeschichteter Torf, mit Petroleum getränkt.

Gelegentlich setzte man auch nur Illuminationspech der Jenaer Firma Karl Netz ein oder aber man pumpte Gas, Erdöl bzw. Benzol durch ein Röhrensystem nach oben und entzündete es dort.

Aufgrund der stetigen Waldbrandgefahr verzichteten einige Orte bald auf ihre anfängliche Befeuerung und beleuchteten später die Säulen nur noch bengalisch mit Rot- oder Grünfeuer. Einige Säulen und Türme erhielten wegen ihres Standortes und/oder ihrer Architektur von Beginn an nur Scheinwerfer als Beleuchtung. In der Inflationszeit der 20er Jahre wurde aus Kostengründen auf die Befeuerung verzichtet, während sie in den 30er Jahren am Sonnenwendtag vereinzelt wieder auflebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann völlig auf sie verzichtet.

2.5. Vergleich mit anderen Bismarck-Denkmälern
Zu Lebzeiten Bismarcks entstanden bis 1897 vierzehn nach ihm benannte Türme, mehrere waren seit 1898 im Bau. Der erste Bismarckturm (Abb. 2), errichtet aus Feldsteinen und Sandsteinen, wurde schon sm 18.10.1869 im schlesischen Ober-Jonsdorf eingeweiht. Es ist ein runder Aussichtsturm mit Gedenkhalle.

Innerhalb der deutschen Reichsgrenzen von 1914, in den deutschen Kolonien sowie in Böhmen und Niederösterreich waren insgesamt über 400 Bismarcktürme und Bismarcksäulen geplant. Bis 1934 wurden nachweislich 234 Turmbauten ausgeführt, von denen 165 den Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die verschiedenen politischen Veränderungen überdauert haben.

Allgemeines Kennzeichen der Bismarcktürme und Bismarcksäulen ist ihre Lage außerhalb der Orte, frei in der Landschaft, überwiegend auf Berggipfeln oder an Berghängen. Einerseits sollte man von der Plattform der Türme bzw. Säulen weit ins Land schauen können, andererseits sollte der Turm oder die Säule als eine Ehrung Bismarcks von weither gesehen werden. Typisch für die in massiver Bauweise errichteten Türme ist die Nutzung von dauerhaften Material, eine über mehrere Stockwerke reichende Höhe, die Verwendung monumentaler architektonischer Formen oft zusammen mit beziehungsvollem plastischem Schmuck außen, sowie ein öffentlicher Aufgang zur Aussichtsplattform. Zusätzlich wurden manche Türme oder Säulen durch eine Halle ergänzt, welche zum Teil mit einem Standbild oder anderen auf Bismarck hinweisenden Merkmalen ausgestattet wurden.

Ausschlaggebend für die Wahl des Baumaterials waren im wesentlichen zwei Gesichtspunkte. Einerseits wurde immer wieder hervorgehoben, daß die ortsgebundenen deutschen Steinsorten, möglichst in direkter Nähe des Bauplatzes gebrochen oder gebrannt, am besten geeignet seien, die Verehrung für Bismarck in den verschiedenen Regionen Deutschlands auszudrücken. Andererseits meinte man, den Charaktereigenschaften des verehrten Kanzlers entspräche roh behauener, besonders harter Granit.

Neben dem vergleichbaren Bismarckturm in Friedrichsruh, Ortsteil Schönningstedt, Stadt Reinbek stellt der Bismarckturm in Itzehoe die reinste Umsetzung des Kreis´schen Denkmalentwurfs im Lande Schleswig-Holstein dar. Die Bismarck-Säule auf dem Hammelsberg in Friedrichsruh, Schönningstedt wurde 1903 nach einem Entwurf von Wilhelm Kreis gebaut. Der 19 m hohe, stämmige Turm mit seinen halbkreisförmigen Eckverstärkungen gilt als Prototyp der Bismarcktürme. Das Gebäude aus grob behauenem Granit erhebt sich über einem quadratischen Grundriß, während ein schweres Gesims den Turmschaft von der gestufte Plattform absetzt. Die Vorderfront ziert ein Adler mit Wappen.

3. Der Architekt

3.1. Zur Person
Wilhelm Kreis wurde am 17. März 1873 in Eltville am Rhein geboren und starb 13. August 1955 in Bad Honnef am Rhein. Im Wintersemester 1893/94 begann er sein Studium an der Technischen Hochschule München bei Friedrich von Thiersch, um dann das folgende Wintersemester in Braunschweig zu verbringen. Im Sommersemester 1896 studierte er an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wechselte anschließend zum Wintersemester nach Berlin-Charlottenburg. Die Sommersemester 1897 und 1901 verbrachte er wieder in Braunschweig. Ab dem 15. März 1898 bis zum 01. Mai 1902 war Kreis persönlicher Assistent des Architekten Paul Wallot an der Dresdener Akademie der bildenden Künste. Er war unter anderem am Bau des Ständehauses in Dresden beteiligt, dessen Sitzungssaal vom ihm geschaffen wurde.

Als 23jähriger Student gewann er 1896 den ersten Preis im Wettbewerb um das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Die Ausführung erhielt aber der Architekt Bruno Schmitz. Nach seinem preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" von 1899 wurden mindestens 47 Bismarcksäulen errichtet, sechs geplante Säulen (Düsseldorf-Grafenberg, Münster, Nürnberg, Riesa, Straßburg und Tharant) kamen nicht zur Ausführung. Bis 1926 entwarf Kreis mindestens noch elf weitere Bismarcktürme, die in ihrer Konstruktion in einigen Fällen Elemente der Götterdämmerung übernahmen.

1900 bis 1902 entstand das Kaiser-Wilhelm-Denkmal der deutschen Burschenschaften, genannt Burschenschaftsdenkmal, das ein gedrungener, turmartiger Rundbau mit neun monumentalen Säulen und einem kronenartigen Pyramidendach ist. Vom 02. Mai 1902 bis zum 30. Juni 1908 war Kreis Lehrer für Raumkunst an der Kunstgewerbeschule in Dresden, seit 1904 als Professor, vom 07. Juli 1908 bis zum 30. September 1920 Direktor und Lehrer der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf als Nachfolger von Peter Behrens. Zum 01. Oktober 1920 wechselte er als Professor für Baukunst an die Kunstakademie in Düsseldorf. Vom 01. Oktober 1926 bis April 1941 war Kreis als Nachfolger von Heinrich Tessenow Professor und Leiter der Architekturabteilung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, ab 1938 auch als Rektor.

1930 erhielt Kreis den Ehrendoktortitel der Technischen Hochschule zu Dresden, nachdem er 1927 zum Vorsitzenden des Bundes Deutscher Architekten gewählt und 1938 Mitglied des Reichskultursenats wurde. Seit dem Frühjahr 1937 arbeitete er an den Plänen für Berlin: dem neuen Oberkommando der Wehrmacht, der neuen Hochschulstadt, der Mitgestaltung der Reichshauptstadt und dem neuen Museumsviertel. Am 16. März 1941 wurde Kreis Generalbaurat für die Gestaltung der deutschen Kriegerfriedhöfe, zu denen er 37 Entwürfe lieferte, und ab 1943 Präsident der bildenden Künste in Berlin.

Wilhelm Kreis ist sicherlich neben den Architekten Paul Wallot, German Bestelmeyer, Martin Düfler, Heinrich Tessenow, Hugo Licht, Ludwig Hoffmann, Fritz Schumacher, Theodor Fischer, Hans Erlwein und Paul Bonatz zu den erfolgreichsten Architekten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland zu rechnen. Die Bauweise seiner Bismarcksäulen und -türme brach mit dem Stil der vorangegangen Denkmäler der Gründerzeit. Der Ausdruck seiner Bauten wurde bei vordergründiger Wirkung des unbehauenen Werksteinmauerwerks kraftvoll aus kubischen und zylindrischen Formen und vereinfachten Säulen entwickelt. Diese architektonische Ausdrucksweise eines aufgeklärten Historismus bestimmte auch seine späteren Entwürfe. Die wichtigsten zur Ausführung gelangten Bauten sind die Warenhäuser Tietz in Chemnitz (1912/13), Eberfeld (1912) und Köln (1911-1914), Althoff in Düsseldorf (1910/11) und Essen (1911/12), Knopf in Karlsruhe (1912-14), Kaufhof in Köln (1912-1914), Dein in Krefeld (1913-1915), die neue Augustusbrücke in Dresden (1906-1910), das Prähistorische Museum in Halle a.d. Saale (1912-1914), das Rathaus in Herne (1911/12), die Rheinbrücke in Düsseldorf-Neuß (1904-1909) und das Kurhaus Bühlerhöhe im Schwarzwald (1912/13).

Kreis wendete sich nach 1918 von den in seinen Bauten vor dem Ersten Weltkrieg noch spürbaren klassizistischen und barocken Elementen ab und gelangte zu einer sachlichen Klarheit und einer monumentalen Flächenwirkung der Baukörper. Das Wilhelm-Marx-Haus in Düsseldorf (1922-1924), eines der ersten Hochhäuser in Deutschland, und der Kokskohleturm in Essen (1919/20), die Museums- und Ausstellungsbauten in Düsseldorf (1925/26), das Bahnhofsgebäude in Meißen (1926- 1929), die Kommunalbank für Bochum (1928/29), das Hygienemuseum in Dresden (1927- 1930) und das Kurhotel Bad Schwalbach (1931) verkörpern in ihrer modernen Haltung diese neue Sachlichkeit. Daneben entwarf Kreis eine große Anzahl von Villen, Landhäusern, Brunnen und Grabmalen.

In der Zeit des Nationalsozialismus schuf Kreis mehrere Ehrenmale, baute das Luftgaukommando in Dresden (1936-1938) und entwarf die geplanten Gebäude für die sächsische Gauverwaltung in Dresden (1937-1941).

Erwähnenswerte Bauten von Wilhelm Kreis nach 1945 sind die Landeszentralbank in Dortmund (1950-1952), das Projekt des Zentralinstitutes für Volkshygiene in Köln (1950-1953), das Wohn- und Geschäftshaus Klarastraße in Essen (1952) und die Reihenwohnhäuser Gartenstraße in Bonn-Hersel (1953/54).

3.2. Entwurf
Mit der Ausschreibung eines Wettbewerbs für alle deutschen Architekten mit dem Termin am 01. April 1899, bei dem die zehn besten Entwürfe für eine Bismarcksäule ("Ehrensäule") mit einem schmiedeeiserne Eichenzweig prämiert und der beste Entwurf der Deutschen Studentenschaft und dem "ganzen deutschen Volk" zur Ausführung empfohlen werden sollte, begann die Suche nach einer einheitlichen architektonischen Lösung für die Errichtung von Bismarcksäulen. Die Deutsche Studentenschaft beabsichtigte, den ausgewählten Entwurf in Friedrichsruh und möglichst in allen Hochschulstädten zur Ausführung zu bringen.

Folgende Bedingungen galten für das zu entwerfende Gebäude:

Der Denkstein sollte mindestens 10 m Höhe erreichen, während seine Form an keine Vorgaben gebunden war. Als Material wurde härtester, wetterbeständiger deutscher Granit vorgeschlagen, doch sollte die zu veranschlagende Bausumme 20. 000 M nicht übersteigen. Zeichnungen waren im Maßstab 1:50 anzufertigen.

317 Entwürfe gingen auf die Ausschreibung rechtzeitig ein. Das achtköpfige Preisgericht, das sich aus den namhaften Architekten Hermann Ende und Paul Bredereck aus Berlin, F. Andreas Meyer aus Hamburg, Carl Schäfer aus Karlsruhe, Friedrich von Thiersch aus München, Paul Wallot aus Dresden, Albert Leicher aus Bonn, Walter Hoffmann aus Heidelberg und zusätzlich aus drei Studentenvertretern für den Ausschuß der Deutschen Studentenschaft zusammensetzte, tagte am 21. und 22. April 1899 auf der Wartburg bei Eisenach. Anschließend veröffentlichte der Ausschuß der Studentenschaft 30 ausgewählte Entwürfe, darunter auch die mit drei Preisen ausgezeichneten des Architekten Wilhelm Kreis aus Dresden-Blasewitz unter der Bezeichnung "Götterdämmerung", "Eroica" und "Wuotan".

Die Studentenschaft bevorzugte den Entwurf "Götterdämmerung" (Abb. 3), den Wilhelm Kreis mit drei verschiedenen Zeichnungen einreichte. Das Motiv eines turmartigen Baukörpers wurde dabei in geringfügig abweichenden Proportionen und Variationen behandelt. Der Entwurf "Eroica" zeigt einen pylonenartigen Unterbau, von dem sich der im Grundriß einfach geviertförmig gestaltete Mittelkörper erhebt; die Idee "Wuotan" beschreibt ein zu einem gewaltigen Stufenbau ausgebildetes Ehrenmal.

Das endgültige Aussehen der auszuführenden Bismarcksäule zeigt einen dreistufigen Unterbau über einem quadratischen Grundriß, einen schlichten gestuften Sockel, einen Aufbau , dessen Kanten von vier kräftigen, gemauerten Säulenschäften gefaßt werden, einen zusammenhaltendes kapitellartiges Gesims und schließlich einen vierkantigen Überbau zur Aufnahme der Feuerschale. Die Plattform auf der Turmspitze sollte im Inneren über eine einfache Treppe, gegebenenfalls auch über Steigeisen erreichbar sein. Bei vielen späteren Ausführungen wurde die Treppe so gestaltet, daß die Säule auch für Besucher begehbar war. Das geforderte massige Äußere sollte, dem Aufruf entsprechende ganz ohne Hinweis auf Bismarck nur mit dem Wappen oder Wahlspruch des Kanzlers geschmückt werden.

Der bewußte Einsatz des grobschlächtigen Quadermauerwerks ist eine Absage an das damals vorherrschende polierte Steinmaterial, das als Basis naturalistischer Bronzeplastik im Gefolge des Krieges 1870/71 alle öffentlichen Plätze Deutschlands überschwemmt hatte. Die Hinwendung zum Rustikalen kann nur als eine Auflehnung gegen den Lebensstil der Gründerjahre und als Parallele zum Aufbruch der Jugendbewegung und des Jugendstil verstanden werden.

4. Geschichtlicher Hintergrund

4.1 Bismarck
Fürst Otto von Bismarck, *01. April 1815 (Schönhausen), +30. Juli 1898 (Friedrichsruh im Sachsenwald bei Hamburg), 1847 preußischer Landtagsabgeordneter, 1851 Gesandter beim Deutschen Bund, 1859 Botschafter in St. Petersburg, 1862 in Paris, 1862 preußischer Ministerpräsident und Außenminister, Deutscher Bund (bis 1866), Norddeutscher Bund (1867); Kriege gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71); 1871-90 Reichskanzler: deutsche Nationalstaatsbildung mit der Bismarckschen Reichsgründung vom 18.01.1871 in Versailles (Bundesstaat mit Bundesrat, Deutschem Kaiser und Reichskanzler); Kulturkampf (Maigesetze, Jesuitengesetz und Brotkorbgesetz 1873); Schutzzollregime; Verabschiedung des Sozialistengesetzes (1878); Zweibund mit Österreich-Ungarn (1879), durch Beitritt Italiens (1882) zum Dreibund erweitert; Dreikaiserabkommen (1881); Einrichtung erster deutsche Kolonien: Deutschsüdwestafrika, Togo, Kamerun und Deutsch-Neuguinea mit Bismarck-Archipel (1884); Rückversicherungsvertrag mit Rußland (1887). Nach Bismarcks Entlassung 1890 zerfielen die Bündnisse.

Der Sarg Bismarcks liegt in einem steinernen Sarkophag im Bismarck-Mausoleum von Friedrichsruh, im Park auf dem Schneckenberg, nahe dem Schloß des Bismarcks. Das sechseckige Gebäude des Mausoleums mit Zeltdach im neoromanischen Stil wurde nach den Plänen des Hannoveraner Architekten Ferdinand Schorbach bis 1899 errichtet. Dort befindet sich auch die Familiengruft, die mit einer schlichten Kapelle verbunden ist.

4.2 Zeitgeschichte um 1900

4.2.1. In Deutschland
Das Verhältnis von Bürgertum und Monarchie in Deutschland im 19. Jahrhundert ist gekennzeichnet von Spannung und Kooperation, wechselseitiger Beeinflussung, gegenseitiger Abstoßung und Koexistenz in unterschiedlichen Mischungen. Trotz allem aber galt die Monarchie in Deutschland wie in den meisten anderen europäischen Ländern bis 1914/18 als die quasi "natürliche" politische Verfassung der Staaten. Die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung um 1900 ist von Euphorie gekennzeichnet, die sich auf eine florierende Wirtschaft, politische Stabilität und den Glauben an eine positive Zukunft sowie andauernden Fortschritt stützen. Wem dies vornehmlich zu verdanken sei, fragte die Berliner Illustrierte Zeitung ihre Leser. Nahezu einstimmig wird der Reichsgründer Otto von Bismarck zum "größten Staatsmann des Jahrhunderts" erklärt. Bei der Frage "Wen würden Sie kurzweg als den größten Helden des Jahrhunderts bezeichnen?" unterliegt Bismarck mit 1600 Stimmen Kaiser Wilhelm I., der 2400 Stimmen bekommt.

4.2.2. In Itzehoe
Am 24. Januar 1867 wurde die Annexion der Herzogtümer Schleswig und Holstein durch Preußen in Itzehoe offiziell bekannt gegeben. Bürgermeister Poel verlas das Besitzergreifungspatent und die Proklamation an die Einwohner der genannten Herzogtümer vom 12. Januar 1876 im Rathaus der Stadt. Die breite Öffentlichkeit wurde durch an Mauerecken geschlagene Erlasse von der neuen politischen Lage informiert. Zwar wurden auf dem Rathaus, dem Ständehaus und wenigen anderen Gebäuden die preußische Fahne gehißt, dennoch gab es in der Stadt keinen großen Fahnenschmuck. Die Itzehoer Nachrichten berichteten als Organ der Augustenburger Partei im Einklang mit ihrer scharf anti-preußischen Haltung nur kurz und nachlässig über das Ereignis. Die Anhänger dieser Partei lehnten die Annexion der Herzogtümer durch Preußen entschieden ab und plädierten entgegen den Bestimmungen des Londoner Vertrages von 1852 für ein staatlich eigenständiges Schleswig-Holstein im Rahmen des Norddeutschen Bundes unter Herzog Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, der sowohl in Schleswig wie in Holstein als rechtmäßiger Herzog und Landesherr weitgehend anerkannt war.

Bürgermeister Poel hingegen gehörte einer gemäßigten Gruppierung an, welche den Annexionisten nahe stand. Diese hatten die preußische Lösung als unabänderlich hingenommen und setzten sich für die Erweiterung des Norddeutschen Bundes zu einem Deutschen Reich auf bundesstaatlicher Ebene unter gleichzeitiger Wahrung der schleswig-holsteinischen Eigenarten ein. Ohne die Aneignung Schleswig-Holsteins zu bejubeln, bekannte Poel sich aus einer realistischeren Sichtweise heraus zu der neuen Verbindung mit der "größten und mächtigsten deutschen Monarchie". Trotz seiner Vorbehalte gegen die zentralistischen und autoritären Züge des preußischen Staates sowie dessen Tendenzen zur Egalisierung, rief er die neue preußische Provinz zur Mitarbeit an der Verwirklichung des Ziels der nationalen Einigung auf. Die anti-preußische Stimmung bezog ihre Nahrung aus dem Unmut der Bevölkerung über eine Vielzahl von Neuerungen und Gesetzen, an deren entstehen sie nicht beteiligt waren und die sie überforderten. Diese Neuerungen jedoch waren der Beginn eines dringend erforderlichen Modernisierungsprozesses auf allen Ebenen und bewirkten eine tatsächliche Verbesserung gegenüber dem alten System, so daß die Erregung sich langsam legte. Auch zeigte sich auf preußischer Seite die Bereitschaft, bei den Reformen auf bewährte Einrichtungen und Eigenheiten der ehemaligen Herzogtümer Rücksicht zunehmen, so daß es nicht zu der befürchteten Überfremdung kam.

Die ablehnende Haltung vieler Itzehoer gegenüber Preußen legte sich gänzlich nach der Gründung des Deutschen Reiches und der Proklamation Wilhelms I. zum Kaiser. Mit entscheidend für den Stimmungswandel war sicherlich auch die Aussöhnung zwischen dem augustenburgischen Hause und Preußen durch die Verlobung Auguste Viktorias, der Tochter Friedrichs VIII., mit dem Enkel des deutschen Kaisers und preußischen Königs Wilhelm. 1880 hatte Friedrich VIII. dieser Verbindung zugestimmt und gleichzeitig auf seine Sukzessionsrechte in den Herzogtümern verzichtet. An der neuen persönlichen Beziehung zwischen Schleswig-Holstein und Preußen nahm die Stadt Itzehoe regen Anteil. Mit dem Fest des Geburtstages Wilhelms I., besonders aber mit der öffentlich ausgerichteten Feier in der Stadt anläßlich der Vermählung Wilhelms von Preußen mit Auguste Viktoria zu Schleswig-Holstein am 27. Februar 1881 begann eine Reihe von Festivitäten zu Ehren gekrönter Häupter oder anderer bedeutender Persönlichkeiten Preußens und des Reiches, mit denen das städtische Bürgertum seine Untertänigkeit und Verehrung dem Staat und dem Reich bzw. dessen Vertretern gegenüber auszudrücken suchte. Aus der gleichen Intention heraus entstanden aus privaten Spenden und städtischen Beiträgen finanzierte Denkmäler. 1890 wurde die bronzene Statue Kaiser Wilhelms I. im Stadtpark aufgestellt. Die Figur ist heute verlustig, sie wurde während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen. 1901 fand die Grundsteinlegung der Bismarcksäule stand, die im Oktober 1905 eingeweiht wurde.

4.3 Ereignisgeschichtliche Umstände
Die Bismarcksäule wurde von der Kommission der Stadt Itzehoe seit ihrer Fertigstellung über einen langen Zeitraum (mindestens bis 1926) als bedeutendes Ausflugsziel beworben. Die Bismarcksäule wurde als Aussichtsturm empfohlen, von dessen Plattform der Besucher "eine herrliche Fernsicht" genießen könne. Die Gaststätte Lübscher Brunnen nutzte in ihrer Werbung von 1909 die Bismarcksäule als Orientierungspunkt, von welchen das Etablissement in 10 Minuten zu erreichen wäre (1926 sind es dann nur noch 5 Minuten Fußweg).Wegen seines geschichtlichen und künstlerischen Wertes schätzte das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein den Turm als Kulturdenkmal besonderer Bedeutung ein und trug ihn infolgedessen 1999 in das Denkmalbuch ein.

5. Literatur/Links

5.1 Literatur

  • Hartwig Beseler, Kunst-Topographie in Schleswig-Holstein (Neumünster 1969)
  • Hartwig Beseler, Wilhelm Kreis – Der Verzicht auf alles Abbildhafte, in: Hermann Reuter, u.a., Otto von Bismarck (Lingen o. J.)
  • Franz Herre, Jahrhundertwende 1900: Untergangsstimmung und Fortschrittsglauben (Stuttgart 1998)
  • Günter Kloss und Sieglinde Seele, Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen: eine Bestandsaufnahme (Petersberg, 1997)
  • Jürgen Kocka und Jakob Vogel, Bürgertum und Monarchie im 19. Jahrhundert, in: Mario Kramp (Hrsg.), Krönungen: Könige in Aachen – Geschichte und Mythos, Bd. 2 (Mainz 2000), 785-794
  • Kommission zur Hebung des Fremdenverkehrs in der Stadt Itzehoe (Hrsg.), Itzehoe und Umgebung (Itzehoe 1909)
  • Kommission zur Hebung des Fremdenverkehrs in der Stadt Itzehoe (Hrsg.), Itzehoe und Umgebung (Itzehoe 1926)
  • Rainer Naudiet u.a. (Hrsg.), Atlas des Kreises Steinburg. Innenansichten einer Region (Münsterdorf 1995)
  • Britta Nicolai-Kolb, Itzehoe unter königlich-preußischer Regierung 1867 bis 1918, industrieller Ausbau, gesellschaftliche Konflikte, Modernisierung des städtischen Lebens und Erster Weltkrieg, in: Jürgen Ibs (Hrsg.), Itzehoe: Geschichte einer Stadt in Schleswig-Holstein, Bd.2, 1814 bis zur Gegenwart (Itzehoe 1991), 113-193
  • Hermann Reuter, Heide Reute, Michael McGuire (Hrsg.), Otto von Bismarck. Spuren und Wirkungen (Lingen o. J.)
  • Heinz-Detlef Theen, Bismarckturm in Itzehoe. DenkMal!. Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 7, 2000, 100

5.2 Links

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